17.05.2026

Level Up! – Unsere Ideen für die Bildungspolitik von Morgen

Gute Bildung steht im Zentrum von dem, wofür wir JuLis uns einsetzen: ein selbstbestimmtes Leben, das Erreichen der eigenen Ziele und Unabhängigkeit von staatlicher Bevormundung. Wer gut ausgebildet ist, wird beruflich erfolgreicher, lebt länger und gesünder und bleibt auch in Zeiten schnellen technologischen Wandels handlungsfähig. Bildung ist für uns ein lebenslanger Prozess, der in der Kita beginnt und potenziell niemals endet. Wir wollen in einem Land leben, in dem nicht die Herkunft über den eigenen Lebensweg entscheidet, sondern die Leistung, Motivation und Neugier. Ein Land, das nicht nur Mittelmaß hervorbringt, sondern Talente und Exzellenz fördert. Ein Land, das Fachkräfte ausbildet, die international gefragt sind. Nordrhein-Westfalen ist nicht dieses Land: Mangel an Fachpersonal und Betreuungsplätzen, starre Strukturen und Lehrpläne lähmen unser Bildungssystem schon von der frühkindlichen Bildung an. Vergleichsstudien wie der IQB-Bildungstrend und der IW-Bildungsmonitor belegen einen fortwährenden Abwärtstrend beim Kompetenzerwerb und Leistungsniveau in NRW.

Vision und Leitbild des Bildungssystems

Unser Ziel ist ein Bildungssystem, das modular, flexibel und individuell talentfördernd ausgestaltet ist. Es soll den Wettbewerb zwischen Schulen um die besten Konzepte und Ergebnisse ermöglichen, um mehr Chancen für alle zu schaffen. Bildung muss sich stärker an den individuellen Fähigkeiten, Interessen und Entwicklungsgeschwindigkeiten der Schülerinnen und Schüler orientieren, anstatt sie in starre Strukturen zu pressen.

Wir setzen uns daher für ein System ein, das unterschiedliche Bildungswege nicht als Sackgassen, sondern als gleichwertige und durchlässige Optionen begreift. Die bestehenden Abschlüsse – Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, die Fachhochschulreife sowie die allgemeine Hochschulreife – sollen erhalten bleiben, jedoch stärker miteinander verzahnt und durchlässiger gestaltet werden. In diesem Zusammenhang befürworten wir weiterhin grundsätzlich das dreigliedrige Schulsystem sowie den Erhalt und bedarfsgerechten (Wieder)-Aufbau von Förderschulen, an denen zielgerichtetes Lernen für Kinder mit geistiger und körperlicher Einschränkung individuell ermöglicht wird, während wir uns gleichzeitig für eine Stärkung der Berufskollegs als Fundament des lebenslangen Lernens und als Garant einer zweiten Chance einsetzen. Um diesem Leitbild gerecht zu werden, bedarf es zudem einer grundlegenden Überarbeitung der Lehrpläne. Ein besonderer Fokus sollte vor dem Hintergrund der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf der Stärkung der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) liegen.

1. Vertragsschulen einführen – für mehr Freiheit, Innovation und Wettbewerb

Nordrhein-Westfalen braucht mehr Freiheit, Innovation und Wettbewerb im Schulsystem. Unsere langfristige Vision ist dafür die Einführung von Bildungsgutscheinen statt der Strukturfinanzierung von Bildungseinrichtungen. Um bereits kurz- und mittelfristig mehr Freiheit und Autonomie ins Schulsystem zu bringen, schlagen wir die Einführung von Vertragsschulen

vor: öffentlich finanzierte, schulgeldfreie Schulen, die von freien, nicht-gewinnorientierten Trägern betrieben werden und auf Basis eines befristeten Leistungsvertrags mit einer Kommune oder direkt mit dem Land arbeiten. Der Vertrag definiert Bildungsziele, Qualitätsindikatoren und Transparenzpflichten sowie klare Konsequenzen bei dauerhafter Zielverfehlung. Die Vertragsschulen genießen im Gegensatz zu konventionellen öffentlichen Schulen weitestgehende Freiheit hinsichtlich Personal, Curriculum und Lernmethoden, solange sie die Ziele erreichen. Von den bereits existierenden privaten Ersatzschulen unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Finanzierung und der Leistungsverträge. Die Kommune oder das Land als Vertragspartner fungieren als unabhängige Zulassungs- und Aufsichtsinstanz, die Anträge nach einem evidenzbasierten Qualitätsrahmen prüft, Verträge abschließt, Schulen regelmäßig evaluiert und über die Verlängerung der Verträge entscheidet.

In der kommenden Wahlperiode des Landtags wollen wir testweise erste öffentliche Schulen und private Ersatzschulen in das neue Modell der Vertragsschulen überführen und dabei mit einem breiten Spektrum von Trägern zusammenarbeiten, um Wettbewerb anzuregen. Bis 2032 soll deren Bildungserfolg anhand der geschlossenen Vereinbarungen evaluiert und geprüft werden. Ergänzt werden soll diese Erprobungsphase durch die Stärkung der personellen und fachlichen Schulautonomie im bestehenden System. Zudem soll jede Kommune ein Budget für Autonomie der schulischen Selbstgestaltung (BASS) erhalten, dessen Mittel Schulen eigenverantwortlich und ohne gesonderte Antragspflichten für individuelle Schwerpunktsetzungen, innovative Konzepte und Förderangebote einsetzen können; die Mittelverteilung soll dabei transparent und unter Berücksichtigung sozialer Herausforderungen erfolgen sowie bestehende Förderprogramme weitgehend bündeln und entbürokratisieren. Die ohnehin bestehenden Qualitätskontrollen der Bezirksregierungen sollen engmaschiger, transparenter und evidenzbasierter gestaltet werden. Zudem wollen wir bestehende Möglichkeiten des Qualitätsmonitoring landesweit für alle Schulformen auf der digitalen Plattform schuelerfeedback-nrw.de vereinheitlichen, welche es Eltern und Schülern ermöglicht, die Schulen vor der Auswahl transparent miteinander zu vergleichen. Lehrkräfte an Schulen, die im Vergleich zu anderen Schulen in der Umgebung besonders gute Ergebnisse in diesem Qualitätsmonitoring aufweisen, sollen als Anreiz für gute Leistung Bonuszahlungen erhalten.

2. Generationenpakt für moderne Hochschulen

Gute Lehre kostet Geld. Gleichzeitig befähigen moderne Hochschulen die Studenten von heute, zu den gefragten Fach- und Führungskräften von morgen zu werden. Damit einher gehen gute Karrieremöglichkeiten und entsprechende Gehaltsaussichten für den Einzelnen, sowie ein großes Potential für den gesamten Wirtschaftsstandort. Wir wollen aus Nordrhein-Westfalen den stärksten Hochschulstandort Europas machen und die besten Universitäten in NRW sollen sich mit den besten Universitäten der Welt messen können. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir auch die Studenten in unserer eigenen Generation in die Pflicht nehmen.

In Zukunft soll das Land an öffentlichen Hochschulen in NRW grundsätzlich einheitliche Studienbeiträge erheben, die sich aus einem moderaten Grundbeitrag pro Fachsemester und

einem Zusatzbeitrag für jeden erworbenen ECTS-Punkt zusammensetzen. Für Studiengänge mit dem Abschlussziel Staatsexamen wird ein analoges Modell eingeführt, das die Gesamtbelastung eines absolvierten Bachelor- und Masterstudiums nicht überschreitet. Die zu zahlenden Studienbeiträge werden auf einem Studienbeitragskonto angesammelt und müssen erst zurückgezahlt werden, sobald das deutsche Medianeinkommen erreicht wird. Ab dann ist ein Anteil vom eigenen Einkommen zu leisten, bis das Studienbeitragskonto ausgeglichen ist. Freiwillige Zahlungen zum vorzeitigen Ausgleich des Beitragskontos sind jederzeit möglich. Alle geleisteten Studienbeiträge können im jeweiligen Steuerjahr vollständig von der Steuer abgesetzt werden. Für die Erhebung der Beiträge ist eine zentrale Studienbeitragsstelle beim Land einzurichten, welche die notwendigen Informationen zum Einkommen von der Finanzverwaltung erhält.

Zwei Drittel der Studienbeiträge fließen dabei den Hochschulen direkt zu, an welchen die ECTS-Punkte erworben wurden. Ein Drittel fließt in einen neuen Exzellenzfonds NRW, mit dem gezielt Spitzenuniversitäten von internationaler Bedeutung in Nordrhein-Westfalen aufgebaut werden sollen; etwa durch besonders finanzierte Stiftungsprofessuren oder andere gezielte Investitionen in Forschung und Lehre an einzelnen Standorten. Der Exzellenzfonds soll sein Vermögen zum Teil gewinnbringend investieren dürfen.

3. Bildungswege, die zum Leben passen

Bildungswege können vielschichtig sein, doch der Bildungserfolg wird häufig nur über etablierte Niveaustufen und erreichte Abschlüsse definiert. Leidenschaft, Berufung, Mission und Profession weichen deshalb häufig gesellschaftlichen Versprechungen auf Erfolg. Das kann zu Frust führen und Stereotype fördern. Wir wollen ein Bildungssystem, in dem man machen kann, was man liebt, worin man gut ist, was die Welt braucht und wofür man bezahlt wird. Wir verstehen Bildung als Weg zur Selbstverwirklichung. Denn wir brauchen Menschen, die sich für ihren Beruf begeistern.

Wenn man heute eine Ausbildung abschließt und einige Jahre Berufserfahrung sammelt, kann man die Berechtigung erhalten, fachlich einschlägig zu studieren. Wenn man eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung möchte, muss man dagegen in Voll- oder Teilzeit eine Fachoberschule besuchen oder die gymnasiale Oberstufe nachholen, um das Abitur zu erhalten. In der Schweiz können Ausgebildete mit mehreren Jahren Berufserfahrung eine einzige Prüfung ablegen, auf die sie sich im Selbststudium vorbereiten können, die sogenannte Passerelle. Eine solche Prüfung zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife wollen wir in Deutschland einführen, um auch Nicht-Akademikern eine akademische Neuorientierung zu ermöglichen, ohne schon in Vorbereitung darauf in Teilzeit gehen oder gar komplett pausieren zu müssen.

Gleichzeitig sollen Bildungswege aufeinander aufbauen. Das gesamte Bildungssystem soll modularisiert werden, damit ganzheitliche Ausbildungsdurchlässigkeit entsteht. In der Ausbildung können ECTS-Punkte gesammelt werden, die man sich in anderen Ausbildungen und im Studium anrechnen lassen kann und umgekehrt.

4. Lehrkräfteausbildung praxisintegriert reformieren

Die Qualität unseres Bildungssystems steht und fällt mit der Qualität der Lehrkräfte. Gleichzeitig ist der akute Lehrkräftemangel eine der größten Herausforderungen für Nordrhein-Westfalen. Wir brauchen daher eine grundlegende Reform der Lehrkräfteausbildung, die sowohl das Ausbildungsniveau hebt als auch den Zugang zum Lehrberuf flexibilisiert.

Neben vollwertig ausgebildeten Lehrkräften fordern wir ausdrücklich auch die Eröffnung von Laufbahnen für Quereinsteiger aus der beruflichen Praxis. Wer in seinem Fachgebiet herausragende Leistungen erbracht hat, soll die Möglichkeit erhalten, diese Expertise in die Schule einzubringen.

Für das Grundschullehramt fordern wir die Einführung eines eigenständigen, praxisintegrierten Bachelorstudiengangs, der gezielt auf die Anforderungen der Primarstufe vorbereitet.

Zugleich wollen wir den Zugang zum Lehrberuf für qualifizierte Fachkräfte öffnen. Absolventinnen und Absolventen fachwissenschaftlicher Studiengänge sowie beruflich erfahrene Fachkräfte sollen über ein standardisiertes Ergänzungsstudium Zugang zum Lehramt erhalten. Dieses Ergänzungsstudium soll an allen Universitäten in NRW, die bereits Lehramtsstudiengänge anbieten, angeboten werden und insbesondere pädagogische, didaktische und schulpraktische Kompetenzen vermitteln. Das Unterrichten soll dabei auch neben der hauptberuflichen Tätigkeit in Teilzeit ermöglicht werden.

5. Verbeamtung von Lehrkräften schrittweise auslaufen lassen

Wir fordern, künftig keine neuen Lehrkräfte mehr zu verbeamten. Stattdessen sollen Neueinstellungen grundsätzlich in regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen erfolgen. Für bereits verbeamtete Lehrkräfte gilt selbstverständlich Bestandsschutz.

Die Verbeamtung von Lehrkräften ist ein überholtes und ineffizientes Modell, das leistungsorientierte Strukturen erschwert und starke Pensionslasten verursacht. Wirklich engagierte und innovative Lehrkräfte verdienen im heutigen System keinen Cent mehr als Lehrkräfte, die über Jahre hinweg keinerlei zusätzliche Initiative zeigen. Leistungsgerechtigkeit findet kaum statt.

Gleichzeitig darf die Abschaffung der Verbeamtung nicht isoliert erfolgen. Voraussetzung muss eine umfassende Attraktivitätssteigerung des Lehrerberufs sein. Dazu gehören insbesondere:

  • mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Arbeitsort,
  • ⁠stärkere Schulautonomie,
  • ⁠sowie moderne und leistungsgerechte Vergütungsmodelle.

6. Lehrpläne modernisieren: Grundlagen stärken, Praxisbezug erhöhen

Wir wollen Lehrpläne, die junge Menschen dazu befähigen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und eigenständig Verantwortung zu übernehmen. Dafür soll die Schule konsequent die Grundlagen vermitteln, die eigenständiges Denken, Urteilsfähigkeit und Problemlösungskompetenz ermöglichen.

Wir fordern eine klare Fokussierung auf solide Grundfertigkeiten, insbesondere in den Kern- und MINT-Fächern, sowie auf eine ausgeprägte Methoden- und Medienkompetenz. Der reflektierte Umgang mit digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz soll verbindlicher Bestandteil des Unterrichts werden. Wir wollen den Praxisbezug im Unterricht deutlich erhöhen. Lebensnahe Inhalte wie wirtschaftliche Zusammenhänge, Finanzen und Berufsorientierung sollen systematisch in bestehende Fächer integriert und durch projektorientiertes Arbeiten, Praktika sowie Einblicke in Betriebe ergänzt werden.

Wir fordern, dass Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse ein Recht auf eine einwöchige Unterrichtsfreistellung für ein Praktikum pro Schuljahr erhalten. Längere Praktika sollen weiterhin nach Ermessen der Lehrer gefördert und Pflichtpraktikumsprogramme ausgeweitet werden. Die Schulen sollen hierfür jeweils einen geeigneten Zeitraum von mindestens einem Monat festlegen, innerhalb dessen die Praktika flexibel durchgeführt werden können.

Wir fordern mehr pädagogische Freiheit für Lehrkräfte, im Unterricht individueller, praxisnäher und auch durch Exkursionen real oder thematisch gestalten zu können. Gleichzeitig sollen Schülerinnen und Schüler über ein erweitertes Wahlpflichtangebot stärker die Möglichkeit erhalten, eigene Schwerpunkte entsprechend ihrer Talente und Interessen zu setzen.

Wir fordern im Sinne der Trennung von Staat und Kirche die flächendeckende Einführung eines überkonfessionellen Ethik- beziehungsweise Philosophieunterrichts anstelle des konfessionellen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen.

7. Landesstiftung für Bildungsaufstieg

Wir wollen eine Landesstiftung Bildungsaufstieg gründen. Bildungsaufstieg ist gesellschaftlicher Extremsport. Bildung ist eine Selbsterfahrung, die weit über die Grenzen von fachlicher Kompetenz hinausgeht. Wer sich dazu entscheidet, seinen Horizont zu erweitern, öffnet sich dafür, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Das beginnt mit dem Zugang zu neuen Denk- und Deutungsräumen und kann bis hin zur Entfremdung von der eigenen sozialen Herkunft führen. Letzteres ist eine der größten Hürden für einen gelungenen Bildungsaufstieg.

Die Landesstiftung organisiert ein ehrenamtliches Mentorenprogramm für sozialen Aufstieg. Dabei werden Studenten, Auszubildende oder junge Berufstätige an die Schulen geschickt, um über verschiedene berufliche Perspektiven aufzuklären und Mentorships für Schüler aus schwierigen sozialen Situationen zu übernehmen.

8. Abbau von Sprachbarrieren durch vorschulische Förderung

Ein effektives Bildungssystem setzt gelungene Integration voraus. Aktuell ist zu beobachten, dass insbesondere Sprachbarrieren einen erfolgreichen Unterricht verhindern. Es müssen bereits vor der Einschulung treffsichere Angebote zur Überwindung dieser Sprachbarrieren eingerichtet werden, um jedem eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Die Landesregierung hat zwar bereits den DELPHINS-Test eingeführt, der individuelle Sprachkompetenzen evaluieren soll. Ein Nichtbestehen hat jedoch aktuell keinerlei Folgen. Das Nichtbestehen eines DELPHINS-Test muss zu einer individuellen Förderung bereits vor der Einschulung führen, die eine erfolgreiche Teilnahme am regulären Schulunterricht zulässt. Erst nach einer solchen Förderung und mit ausreichenden Deutschkenntnissen kann die Einschulung erfolgen.

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