Ablehnung der notenfreien Grundschule der Landesregierung

Die Jungen Liberalen NRW sprechen sich gegen die von der Landesregierung
beschlossenen Änderungen der Verordnungen zur Benotung  in den dritten Klassen
der Grundschulen aus, die vorsehen, daß  zwar die einzelnen Schulkonferenzen
jährlich über die Erteilung von Noten- oder Berichtszeugnissen beschließen können,
daß aber das notenfreie dritte Schuljahr die Regel werden soll. Die Jungen Liberalen
sind der Meinung, daß die Schülerinnen und Schüler eine Phase der Gewöhnung an
das Bewertungssystem benötigen, bevor sie durch ihre Noten im vierten Jahr den
Ausschlag für den allernächsten Verlauf ihrer Schullaufbahn geben. Ferner sprechen
sich die JuLis für die Beibehaltung der Empfehlungen und Gutachten zum Wechsel
auf die weiterführenden Schulen aus, um dem freien Elternwillen eine hinreichende
Grundlage zu ermöglichen.

Ablehnung des schulpolitischen Maßnahmenpakets der Landesregierung

Die Jungen Liberalen Nordrhein-Westfalen  lehnen das „mittelfristige Konzept zur
Sicherung der Unterrichtsversorgung“  der rot-grünen Landesregierung ab.
Maßnahmen wie Unterrichtskürzungen, regulärer Einsatz von Lehramtsanwärtern
und Arbeitszeitverlängerungen von Lehrern entbehren jeden pädagogischen
Anspruch.
Insbesondere Unterrichtskürzungen bedeuten, daß das gleiche Wissen, das
notwendig ist, um den schulischen Anforderungen zu entsprechen, in kürzerer Zeit
erlernt werden muß. Das wird zur Folge haben, daß Themen oberflächlicher
behandelt werden, Initiative von Schülern zugunsten von Frontalunterricht
zurückgedrängt wird, Lernen schematisiert wird und punktuelles gegenüber
methodischem Wissen an Dominanz gewinnen wird. Gerade der letzte Punkt stellt
den „wissenschaftspropädeutischen“ Anspruch der gymnasialen Oberstufe in Frage.
Aber auch insgesamt wird die Qualität der schulischen Ausbildung sinken.

Zustimmung zum Bundeshaushalt konditionieren

Die nordrhein-westfälischen Jungen Liberalen fordern die Abgeordneten der F.D.P. –
Bundestagsfraktion auf, dem aktuellen Haushaltsentwurf der Bundesregierung nur dann ihre Zustimmung im Parlament zu erteilen, wenn das Absinken der Ausgaben für Bildung und Wissenschaft korrigiert wird. Die diesbezügliche von den Jungen Liberalen beim F.D.P.-Landeshauptausschuß durchgesetzte Forderung nach Prioritätensetzung zugunsten der Zukunftsaufgaben Bildung und Wissenschaft ist von den NRW-Bundestagsmitgliedern zu achten.

Religionsfreiheit durchsetzen, Religionsunterricht abschaffen

Die Jungen Liberalen NRW fordern die Landesregierung auf, auch in Nordrhein- Westfalen ein Fach Lebensgestaltung – Ethik – Religion (LER) nach brandenburgischen Vorbild einzuführen, das vorurteilsfrei religionswissenschaftliche und philosophische Kenntnisse vermitteln will.
Während des Besuchs der Grundschule werden die Schüler von Gesellschaftskundeunterricht begleitet, der die anstehenden Fragen nach Sinn und Religion zielgruppenadäquat beantwortet. Wichtig ist, daß sich in dieser frühen Phase der Schulbildung Religionen nicht unkontrolliert in die Seelen achtjähriger drängen können.

Frauen in der Wissenschaft – Besser gleichberechtigt als später –

Obwohl die Gleichstellung von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft täglich Fortschritte macht, ist die Hochschule noch heute eine Männerdomäne. Absolut ist die Zahl der Frauen, die eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen, in den letzten Jahren zwar gestiegen, prozentual ist sie jedoch rückläufig. Die Jungen Liberalen haben erkannt, daß durch die mangelnde Beteiligung von Frauen in Wissenschaft und Forschung viele Denkanstöße und Innovationsmöglichkeiten verlorengehen. Deshalb vertreten die Jungen Liberalen folgende Forderungen:

1.) Zwischen Schule und Hochschule
Bei technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen  sind Frauen noch deutlicher unterrepräsentiert  als an der Hochschule insgesamt. Um mehr Frauen für diese Studiengänge zu gewinnen, muß die Berufsberatung der Arbeitsämter bei ihren Gesprächen und sonstigen Informationswegen geschlechtsneutral erfolgen. Oberstufenschüler sollten zu Beginn des Schuljahres ein Praktikum (vielleicht im Rahmen einer Projektwoche) an einer Uni machen können. So können Schülerinnen und Schüler einen besseren Einblick in den Hochschulalltag bekommen als durchgeplante und werbewirksam ausgestaltete Informationstage.
Sog. Sommeruniversitäten und Schnupperkurse an Hochschulen sind ebenfalls hilfreich,  Oberstufenschülerinnen und Schülern  den Einstieg in bislang geschlechtsuntypische Studiengänge zu erleichtern. Oberstufen-Schülerinnen und Schüler sollen hier die Möglichkeit bekommen, sich während der Schulferien in Vorlesungen, Seminaren, praktischen Übungen im Labor und Gesprächen mit Studentinnen und Studenten ein Bild über diese geschlechtsuntypischen Fächer zu machen.
Die JuLis begrüßen den Modellversuch der FH Bielefeld „Frauen im Ingenieurstudium“, der nach den Gründen fragt, die Frauen vom Technikstudium   20 fernhalten und nach neuen, frauenfreundlichen Lehr- und Lernformen forscht ebenso wie den Modellversuch der Uni GH Paderborn „Frauen in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Grundstudium zum Ziel hat.
Eine erneute Infokampagne zum Thema „Frauen in Wissenschaft und Forschung bzw. Frauen in der Technik“ der Bundesanstalt für Arbeit und des Wissenschaftsministeriums sollte all diese Maßnahmen begleiten. Dabei sollten Frauen, die bereits in der Wissenschaft tätig sind, an Informationsveranstaltungen als „lebende Beispiele“ dienen und von ihren Erfahrungen berichten.

2.) Gleichstellungsbeauftragte an Hochschulen
Die Tätigkeitsfelder von Gleichstellungsbeauftragten sollten ebenso wie die vergütete Zeit klar eingegrenzt sein. Gleichstellungsbeauftragte sollen sowohl für Frauen als auch für Männer Anlaufstelle sein. Informationen über berufliche Möglichkeiten, Stipendien, Teilzeitstellen und Berufsverfahren sind dabei die originäre Aufgabe. In diesem Zusammenhang ist die Bildung von Netzwerken zu begrüßen. Geschlechtsspezifische Förderprogramme wie z.B. Rhetorik- oder
Bewerbungstraining nur für Frauen lehnen die Jungen Liberalen ab. Gleichstellungsbeauftragte werden von allen Studentinnen/Studenten und Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter der Hochschule gewählt.

3.) Die wissenschaftliche Laufbahn
Der Frauenanteil derjenigen, die nach Beendigung  des Studiums eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen, ist sehr niedrig und wird mit jeder Stufe der „Hochschulkarriereleiter“ noch geringer.  Bei den C4-Professuren wurde die 5%-Hürde bundesweit noch nicht übersprungen. Um auch hier Abhilfe zu schaffen fordern die Jungen Liberalen die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf an  der Hochschule. Dies beinhaltet die Einrichtung von Teilzeitstellen für den Mittelbau ebenso wie die Flexibilisierung der Öffnungszeiten der Hochschul -Kindertagesstätten.
Die Jungen Liberalen wollen jedoch nicht nur eine „Mütterförderung“ an der Hochschule. Fördermaßnahmen müssen grundsätzlich immer unabhängig vom Familienstand und vom Einkommen des Partners gestaltet werden. Die JuLis fordern außerdem eine längere Laufzeit aller Fördermaßnahmen.
Momentan wird oft der Einstieg aus der Wissenschaft gefördert. Die teilweise mit einer Laufzeit von nur zwölf Monaten ausgestatteten Widereinstiegsstipendien für Frauen nach der „Babypause“ finanziell ermöglichen, die aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen in dem jeweiligen Fachbereich weiterverfolgen zu können. Grundsätzlich sollten alle Stipendien nach dem Leistungsprinzip vergeben werden. Die finanziellen Mittel sollen  durch eine Umschichtung im Etat des Hochschul – Sonderprogramms bereitgestellt werden.

Lehrer für Hochbegabte sensibilisieren

Wir haben 2,86 Millionen Schüler in NRW. Nach aktuellen Erkenntnissen sind 2-3% von ihnen hochbegabt. Das sind mind. 57.200. Davon sind jedoch nur rund 10% (Absolut: 5.720) verhaltensauffällig. 51.480 hochbegabte Schüler werden somit nur schwer von den Lehrern erkannt.

Deswegen fordern wir die Landesregierung auf, dass sie im Landeshaushalt Mittel zur Fortbildung von Lehrern bereitstellt, damit jene für den Umgang mit Hochbegabten sensibilisiert werden und eine frühzeitige Erkennung von Hochbegabten möglich ist. Beispielhaft sei hier das Echa-Diplom genannt, das vom Internationalen Centrum für

Begabungsforschung der Uni Münster entwickelt wurde und der gezielten Ausbildung von Lehrern dient. Problematisch ist an der genannten Fortbildung allerdings, dass die Kosten für die Ausbildung entweder von der Schule oder von dem jeweiligen Lehrer selbst getragen werden müssen und somit häufig wegen der knappen finanziellen Mittel davon Abstand genommen wird.

Hier besteht seitens der Landesregierung Handlungsbedarf, damit eine flächendeckende Begabtenförderung ermöglicht wird.

Vorschuljahr für bessere Bildung

Der Kindergarten kann und muss das Fundament für eine erfolgreiche Schullaufbahn für Kinder in Nordrhein-Westfalen legen. Allerdings kann ein Pflichtjahr im Kindergarten nur dann gut für die Schule sein, wenn es nicht nur an Zahlen gemessen wird, sondern an seiner Qualität. Ein solches „Brückenjahr“ wird nur funktionieren, wenn Kindergärten und Schulen viel enger als bisher zusammenarbeiten, wie es nun erstmals im erstmals im KiBiz geregelt wird. Aus §14 KiBiz ergibt sich jetzt der verbindliche Auftrag für alle Kindertageseinrichtungen in NRW, Kinder im letzten Kindergartenjahr intensiv auf den Schulbesuch vorzubereiten und die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschulen zu verbessern.

Die Startchancen für Vorschulkinder werden aber nur dann erhöht, wenn der Besuch des Kindergartens im letzten Kindergartenjahr verbindlich und obligatorisch eingeführt wird. Nur so ist eine Chancengerechtigkeit für den späteren Schulerfolg für alle Kinder gewährleistet. Mit dem verpflichtenden Vorschuljahr soll auch Kindern aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Schichten ein besserer Start in die Schule ermöglicht werden.

Die Jungen Liberalen NRW sprechen sich dabei für eine Kostenfreiheit des Vorschuljahres aus. Das diese die Kinder in die Kindertagesstätten holen kann macht das Saarland seit vielen Jahren vor. Dort nutzen fast alle Familien das letzte Kindergartenjahr für ihr Kind. Überzeugend ist dabei nicht nur die Kostenfreiheit, sondern auch die inhaltlichen Qualität des Vorbereitungsjahres auf die Schule.

Daher fordern die Jungen Liberalen NRW zusätzlich neben dem Rahmenprogramm ein konkretes Vorschulprogramm, in welches sich Sprachförderprogramme integrieren lassen. Hierfür sind allerdings verbindliche Curricula für die Vorschularbeit, sowie qualifiziertes und kompetentes Erzieherpersonal notwendig. Der spielerische Lerneffekt sei durch curriculare Vorgaben jedoch nicht auszuschließen.

Die Jungen Liberalen NRW fordern neben der Absicherung der Beitragsfreiheit wesentlich größere Investitionen in die Kindertagesstätten, um dem Bildungsanspruch der Kleinsten gerecht zu werden, wobei sowohl Bund als auch Länder über ein ganzheitliches Finanzierungskonzept diskutieren sollen. Für jedes Kind muss ein Platz für den Besuch in der Vorschule freigehalten werden.

Hörtest für Vorschulkinder beim Sprachtest DELFIN 4

In Nordrhein-Westfalen müssen derzeit alle Vierjährigen den Sprachstandstest DELFIN 4 zwei Jahre vor ihrer Einschulung ablegen, um mögliche Sprachauffälligkeiten noch vor der Einschulung erkennen zu können und Kinder mit erkannten Sprachmängeln frühzeitig sprachlich zu fördern. Trotz dieser sicherlich im Sinne der betroffenen Kinder zu begrüßenden Initiative der Landesregierung sind sich Phoniater und Pädaudiologen jedoch sicher, dass ein Sprachstandstest ohne zugehörigen Hörtest wenig Sinn mache. Laut den Experten seien Störungen des kindlichen Gehörs als Ursache für eine sprachliche Entwicklungsverzögerung wesentlich häufiger als Laien vermuten. Bei bis zu einem von 500 Kindern sei mit einer angeborenen mindestens mittelgradigen Innenohrschwerhörigkeit zu rechnen.

Hierzu fordern die Jungen Liberalen NRW: Zusätzlich zu den Sprachuntersuchungen müssen ebenso Hörtests erfolgen. Testauffällige Kinder können dann vom behandelnden Facharzt nachuntersucht und weiterhin medizinisch begleitet werden. Je früher ein betroffenes Kind mit einer erkannten und diagnostizierten Hörstörung therapiert werden kann, desto höher liegen die Chancen diese Defizite bis zum Schulbeginn ausgleichen zu können. Zudem sollte der Test nicht durch im Schnellverfahren geschulte Erzieher, sondern durch dafür speziell ausgebildete Logopäden erfolgen.

Mit Doppelqualifikation zum Lehramtsstudium

In der aktuellen Bildungsdebatte wird über jegliche Ummodellierung des deutschen Schulsystems debattiert. Die Jungen Liberalen erinnern daran, dass ein durchdachtes Schulsystem, wie wir es längst besitzen, in seiner Qualität mit der Lehrerausbildung steht und fällt. Nur gut ausgebildetes und motiviertes Lehrpersonal trägt zu einem großen Teil der Bildungsqualität der nordrhein-westfälischen Schülerschaft bei. Laut einer Langzeitstudie des Frankfurter Bildungsforschers Udo Rauin gibt es bei Lehramtsstudenten frühzeitig starke Anhaltspunkte, ob jemand ungeeignet für den Lehrerberuf sei. Etwa 25 Prozent der befragten Studienanfänger wollten eigentlich nie den Lehrerberuf ergreifen und sehen die Studienwahl als Notlösung an. Jeder vierte entscheidet sich nur mangels Alternativen für das Lehramtsstudium.

Die JuLis NRW fordern:

Die Anforderungen des Lehrerberufes müssen noch während des Studiums deutlicher gemacht werden. Die Jungen Liberalen begrüßen die Praxisphase für die Studienanfänger des Lehramts an nordrheinwestfälischen Universitäten fordern darüber hinaus aber eine bessere Betreuung und größere Rückmeldungen an den Praktikanten. Das Hochschulrahmengesetz gestattet es den Universitäten einen großen Teil ihrer Studierenden selbst auszuwählen. Die Jungen Liberalen fordern die Fakultäten dazu auf von dieser Option vermehrt Gebrauch zu machen, zum Beispiel in Form eines Aufnahmetests oder eines Motivationsschreibens, in dem der Studienanwärter darlegen muss, warum er die angestrebte Fachrichtung bzw. Studiengang studieren will. In einem Motivationsschreiben sollen Bewerber zeigen, dass sie sich inhaltlich mit dem Studium auseinandergesetzt haben. Die Allgemeine Hochschulreife zeigt die allgemeine Studierfähigkeit. Durch Aufnahmeprüfungen können die Hochschulen nach der fachspezifischen Studierfähigkeit auswählen. Nicht mehr nur die Einzelnote des Abiturs soll aussagekräftig sein, sondern es müssen auch anderen Kriterien berücksichtigt werden, wie Vorkenntnisse im Berufsfeld durch Fachpraktika oder Erkenntnisse durch ein Auswahlgespräch. Durch ein solches Verfahren werden eine höhere Motivation und eine zielbewusstere Studienplanung bei den angehenden Studenten erreicht.

Freiheit der (Schul-)Bildung

Die JuLis NRW sprechen sich für die Bewahrung der Wahlfreiheit der Fächer in den Oberstufen Nordrhein-Westfalens und für eine Beibehaltung der bisherigen Wahlfreiheit der Abiturfächer aus.

Darüber hinaus widersprechen die JuLis NRW jeder Geisteshaltung, die zwischen wertvollen und vermeintlich minderwertigen Fächern und Wissenschaften differenziert.