Moderne Mobilität erfordert effektive Energiequellen: Kernfusion als Chance

Sehen wir endlich der beunruhigenden Zukunft Deutschlands ins Gesicht. Der Atomausstieg 2022 und das vollständige Abschalten der Kohlekraftwerke bis zum Jahre 2038 sind, ob wir wollen oder nicht, unvermeidbar. Doch haben wir unseren Plan auch wirklich zu Ende gedacht? Was machen wir, wenn die Zukunft unserer Energieversorgung ungewiss ist?

Ein Defizit an Weitsichtigkeit: Erneuerbare Energien allein reichen nicht aus.

Egal, ob wir mit dem Zug zur Arbeit fahren, uns auf das eBike setzen oder in ein eAuto steigen – Für all das brauchen wir Energie. Und wo sollen wir Diese herbekommen? Das Rezept sei ganz einfach, würden nun viele aufschreien: man nehme ein paar Solaranlagen, stelle sie in die Sonne, daneben ein paar Windkrafträder, warten bis der Wind bläst und die Sonne scheint. So einfach ist das Ganze leider alles nicht.

Deutschland scheitert aktuell bei dem Versuch, eine Vorbildfunktion im Bereich der erneuerbaren Energien zu erfüllen und betreibt somit eine fehlgeleitete Politik. Der Atomausstieg ist eine überhastete Kurzschlussreaktion, die nicht nur durch den gesellschaftlichen Druck auf die Politik verursacht wurde, sondern auch durch mangelnde fachliche Kompetenz der handelnden Akteure. Geholfen hat es der Umwelt allerdings nicht. Hätten wir damals nicht beschlossen aus der Kernenergie auszusteigen und unsere Atomkraftwerke der Reihe nach abzuschalten, so würden wir aktuell 43% weniger CO2 Emissionen ausstoßen. Stattdessen fokussieren wir uns auf Solar- und Windenergie, doch diese deckt unseren Energiebedarf nicht ab. Entweder mangelt es an Quantität der Anlagen, denn niemand hat schon gerne in seinem Vorgarten eine Windkraftanlage stehen, oder an den ungenügenden Speicherungs- und Transportmöglichkeiten. Importiert wird die fehlende Stromdifferenz aus Ländern wie Frankreich und Belgien. Und die produzieren ihren Strom überwiegend in Atomkraftwerken. Ein energiepolitischer Widerspruch, den Schopenhauer als „Denkmal deutscher Niaiserie“ bezeichnen würde.

Forscher in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Parallel dazu stellen wir eine beunruhigende Entwicklung fest: die Abwanderung der Wissenschaftler aus Deutschland in andere Industrieländer wie England, Frankreich und die USA: Nach Angaben der OECD verliert derzeit kein anderer Staat so viele Akademiker wie Deutschland. Viele sehen keine Perspektive für ihre Forschungsgebiete in Deutschland. An den Innovationen der Zukunft wird aktuell an Standorten wie New York, Genf und Peking geforscht. Dementsprechend locken diese Orte die klügsten Köpfe aus aller Welt an. Positive Ergebnisse bringen den jeweiligen Forschungsländern einen großen Vorteil als Wirtschaftsstandort.

Ein Beispiel: Von der Transmutation, der Umwandlung von Kernmüll in entschärfteren „Abfall“, will hier in Deutschland kaum jemand etwas wissen. Bei diesem Verfahren wird in einem Reaktor ein Protonenstrahl erzeugt und auf eine Metallfläche geschossen. Die Geschwindigkeit des Strahls ist so groß, dass aus der Bleifläche Neutronen rausgeschossen werden und diese wiederrum auf die Abfallprodukte treffen, fusionieren und diese somit kurzlebiger machen. Damit besteht die Chance, zusätzliche Energie zu gewinnen und die Endlagerungszeit auf ein Tausendstel herabzusenken. Doch ob Tausend Jahre oder eine Million Jahre Lagerungszeit, was macht das denn schon für einen Unterschied? Dies zeigt eins: Deutschland als Forschungsstandort ist bei weitem nicht mehr so lukrativ, wie er es einmal war.

Eine zukunftssichernde Möglichkeit: Stimulus im Status quo.

Um die Mobilität der Zukunft zu gewährleisten braucht es zwingend eine Offenheit für Innovation und neue Technologien. Neben spannenden Forschungsfeldern wie synthetischen Kraftstoffen und Brennstoffzellen zeigt die Kernfusion immenses Potential auf. Gemeinsam mit 6 weiteren Partnern beteiligen sich die Europäischen Union und die Schweiz am Fusionsprojekt ITER. Dabei handelt es sich um den ersten Kernfusionsreaktor, der bereits 2025 fertig sein soll. Wissenschaftler und Ingenieure bauen und forschen aktuell in Südfrankreich an der Entwicklung dieser massiven Energiequelle. Die Vorteile sind immens: keine CO2-Emissionen, keine Kernschmelze und eine Lagerungszeit von 100 Jahren. Zum Vergleich: Bei Uran ist diese 70 Millionen Mal länger. Abschließend kann das Material sogar recycelt und dabei Energie freigesetzt werden. Das Wichtigste ist: die Vorräte, die für eine Kernfusion benötigt werden, sind auf unserer Erde unbegrenzt verfügbar und von diesen sind viel weniger nötig, um die gleiche Menge an Energie zu produzieren, wie durch das Verbrennen von Kohle, Öl oder Gas freigesetzt würde.<!– Bin ein Fan von diesem Abschnitt, ganz viel ziemlich spannende Information, die den Leser wirklich weiter bringt und neue Impulse setzt, statt nur bekannte Debatten und Diskussionen wieder aufzugreifen und durchzukauen. Echt gut, weiter so

Da fragt man sich zu Recht, warum wir hier nicht tiefgreifender in die Forschung investieren und uns an diesen Zukunftsprojekten beteiligen. Gegenwärtig sind die Subventionen für erneuerbare Energien dreimal Mal so hoch (bei fast einer halben Milliarde Euro) wie die Investitionen in die Fusionsforschung. Wir predigen doch immer, dass dies ein globales Problem sei, welches wir gemeinsam anpacken müssen. Warum tun wir das nicht? Warum lassen wir zu, dass Deutschland sowohl als Forschungsstandort als auch als Forschungsinvestor immer unattraktiver wird? Deutschland ist gerade dabei, seine weltweit führenden Schlüsselindustrien, wie die Chemie- und Automobilbranche, zu demontieren. Wenn wir so weitermachen fehlt uns irgendwann die Energie, die wir benötigen, um den Fortschritt zu ermöglichen. Handlungsbedarf und Investition in Grundlagenforschung sind erforderlich. Sonst ist dieser Zug, im Vergleich zu manch Anderen in Deutschland, bald abgefahren.

Isabel Lutfullin (18) studiert Humanmedizin an der Westfälischen-Wilhelms-Universität zu Münster und ist stellvertretende Landesvorsitzende der Liberalen Hochschulgruppe NRW. Ihr erreicht sie unter .