Pro Digitaler Arbeitswandel

Lasst den Zukunftspessimismus mal lieber den
Ewiggestrigen von links und rechts!
„Die Digitalisierung wird alle Jobs vernichten!“; „Ich werde durch einen Roboter
ersetzt!“; „Brauchen wir den Menschen überhaupt noch?“ Aussagen und Fragen, die
immer wieder aufkommen, wenn die Themen Digitalisierung und digitaler
Arbeitswandel auf den Tisch kommen. Doch ist da auch was dran? Ich finde, diese
Ängste sind ein wichtiger Grund, sich bei den JuLis zu engagieren!
Denn all diese Panikmache vor der unberechenbaren Gefahr der Digitalisierung ist eigentlich
nur Ausdruck des Nichtverstehens. Der Kenner hat bereits unter den ersten drei Aussagen
weiter oben einen entscheidenden Fehler gefunden: Die Digitalisierung hat nichts mit der (ihr
vorhergehenden) Automatisierung zu tun. Automatisierung und Robotik gibt es seit
Jahrzehnten und funktionieren einwandfrei. Mühselige, belastende oder stupide Arbeiten
werden an Maschinen abgegeben, um einerseits Produktivität zu steigern und andererseits
Menschen zu entlasten. Haben wir daher eine Massenarbeitslosigkeit? Eher im Gegenteil.
Allein der Begriff „Industrie 4.0“ sollte doch Hinweis genug sein, dass die Digitalisierung als
Chance zu begreifen ist. Offensichtlich ist dies nicht der erste einschneidende Wandel in der
Industrie, sondern der vierte. Nach Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung
kommt nun also die Digitalisierung. Aber schauen wir uns doch mal an, was genau passieren
wird.
Flexibel sollte nicht nur der Hosenbund sein.
Sind bei den vorherigen industriellen Revolutionen zumeist simple Tätigkeiten weggefallen,
so werden wir nun etwas anderes erleben. Durch künstliche Intelligenz, immer schnellere und
effizientere Algorithmen sowie leistungsstärkere Rechner werden auch hoch qualifizierte Jobs
bald durch Computer ersetzbar sein, als Beispiel sei hier der Steuerberater genannt. Bevor nun
der geneigte Pessimist schreiend im Kreis rennt und sein letztes Geld für den Verein „Brot für
die Steuerberater“ zusammenkratzt, sollten wir einen Moment innehalten.
Fallen Jobs für gut bzw. hochgebildete Menschen weg, so ist es für diese durch ihren hohen
Bildungsgrad viel einfacher, sich neuen Herausforderungen zu stellen. So kann ein
Steuerberater schneller zum Finanzberater umschulen als ein Fabrikarbeiter zum
Programmierer. Insofern bietet die neue Revolution bereits dadurch Vorteile gegenüber den
vorherigen, dass die „ersetzten Arbeitskräfte“ schneller neue Aufgaben finden werden. Eine
große Arbeitslosigkeit ist damit einfacher auszuschließen.
Außerdem: Wird in Zukunft der Steuerberater nicht eher in der Entwicklung eines effizienten
Steuerrechners gebraucht und insbesondere im Qualitätsmanagement? Warum sollte man das
Know-how der Menschen nicht nutzen und sie direkt in ihrem angestammten Arbeitsfeld
beim Wandel helfen lassen? Ich glaube, in wenigen Jahrzehnten werden sich die Menschen
fragen, wie man überhaupt mal solche Arbeit von Menschen hat machen lassen, so wie wir
uns heute fragen, wie man ernsthaft ein Feld noch mit Sense und Eselpflug bestellen würde.
Bei dem Wort „Zukunft“ nicht sofort in Embryonalstellung verfallen!
Geschürt werden die Ängste vor der Digitalisierung meist von Linken und Rechten. Beide
Seiten versuchen damit für ihre gestrigen Ideologien neue Anhänger zu finden. Was sie damit
eigentlich versuchen, ist die Entmündigung der Bürgerinnen und Bürger durchzusetzen,
sodass diese sich nur noch auf einen starken Staat verlassen können, da die böse

Digitalisierung von „denen da oben“ ihnen ja die Jobs wegnimmt. Wir sollten jedoch den
Menschen Möglichkeiten schaffen, sich selbst zu befähigen und neu zu denken. Bildung ist
hier der Schlüssel! Ein wichtiger Schritt, auch um bereits das Verständnis für die neue Welt
zu schaffen, ist für mich ebenfalls die Implementation eines verpflichtenden
Informatikunterrichts in den Schulen. Denn nur wer die digitale Welt versteht, kann sie auch
mitgestalten.
Pessimismus steht uns nicht gut zu Gesicht, aber diese Haltung müssen wir JuLis auch
dringend nach außen tragen. Wir müssen uns einsetzen für die Zukunft und den digitalen
Arbeitswandel begrüßen. Stillstand ist Rückschritt und auf dem Weg in eine bessere,
angenehmere Arbeitswelt ist die Digitalisierung einer der zentralen Schritte!
Fabian Schefczik (24) promoviert in Physik an der Ruhr-Universität Bochum und ist
Pressesprecher der JuLis Bochum. Er engagiert sich bei den JuLis, da diese die einzige
progressive, zukunftsbejahende Kraft in Deutschland sind. Ihr erreicht ihn unter
fabian.schefczik@julis.de.